Vortrag von Engelbert Weitz

Familien
als Überlebensmaschinen
Am Donnerstag, 22. März,
hielt Schulamtsdirektor i.R. Engelbert Weitz im katholischen Pfarrheim in
Neustadt einen anregenden Vortrag zum Thema „Familie im Wandel der Zeit“
bzw. „Hat die Familie Zukunft“. Ausgehend vom Drama der 87 deutsch-österreichischen
Siedler in der Sierra Nevada im Winter 1846/47, von denen nur 47 Personen überlebten,
zog sich wie ein roter Faden die wichtige Erkenntnis durch seinen Vortrag, dass
in lebensbedrohenden Situationen eigentlich nur die Familie echte Überlebenschancen
bietet, weil sie zusammen hält und das Wenige, was noch vorhanden ist, sinnvoll
verteilt.
Deshalb war es nicht überraschend
zu erfahren, dass gerade in der schwierigen Nachkriegszeit, als es den Staat
eigentlich nicht mehr gab, die Familien sich zusammenschlossen und sich als
Schicksalsgemeinschaft verstanden. Nicht umsonst spricht man von dieser Zeit als
das Goldene Zeitalter der Familie.
Die Familie, die viele
wichtige Funktionen wie Erhaltung, soziale und religiöse Erziehung, Ernährung,
Bekleidung, Behausung und Erholung Jahrtausende lang erfüllte, hat sich stark
von der patriarchalischen Hierarchie hin
zur partnerschaftlichen Struktur weiter entwickelt, wozu die zunehmende
Gleichberechtigung von Frau und Kind einen wesentlichen Beitrag geleistet hat.
Dass in letzter Zeit viele neue Lebensformen wie Patchwork-Familie,
nichteheliche Lebensgemeinschaften und andere familiale Lebensgemeinschaften
hinzugekommen sind, stellt die Gesellschaft, aber auch die Kirchen vor große
Herausforderungen, weil sie nicht allein gelassen werden dürfen. Vom
Vortragenden wurde bedauert, dass die Institution Familie in der Literatur, in
der Psychologie, aber besonders in Filmen und vor allem in den täglichen
Telenovelas schlecht abschneidet, so dass eigentlich gut funktionierende
Familien mit Kindern nicht oder kaum vorkommen, so dass also wichtige
zukunftsweisende Vorbilder bedauerlicherweise nicht vermittelt werden. Dass der
Vortragende positive und negative Elterntypen und entsprechende Erziehungsstile
herausstellte, ist seinem Beruf als langjähriger Pädagoge geschuldet. Am Ende
seines Vortrags stellte er als Ideal die christliche Familie heraus, die mit
ihren Werten wie Menschlichkeit, Offenheit, Liebe, Geborgenheit, Partnerschaft,
Verständnis, Bescheidenheit, Treue, Verantwortungsbewusstsein, Vertrauen,
Ehrlichkeit, Konsequenz, Glauben an Gott und christlichem Menschenbild eine
tragende Säule darstellt und zugegebenermaßen nicht immer leicht zu
verwirklichen ist. Anhand von eindrucksvollen historischen Ereignissen wurde
deutlich, dass die Familie wichtiger ist als der Staat, als Auto, weite Reisen,
Gold und Silber. „Nur die Familie schafft Staat, Kunst, Kultur und materielle
wie immaterielle Güter“, lautete sein abschließendes Credo.