Eine „Körfer-Orgel“ aus dem Jahre 1913

 

Die Orgel in unserer Pfarrkirche Hl. Karl Borromäus stammt aus der renommierten Orgelbauwerkstatt von Michael Körfer aus Gau-Algesheim. Sie wurde im Jahre 1913 erbaut. Wie einem Meldebogen für Orgeln im Bischöflichen Ordinariat Mainz aus dem Jahre 1944 zu entnehmen ist, bestand  die Orgel damals aus 10 klingenden Registern in zwei Manualen und einem selbständigen Pedal. Aus dieser Zeit stammt auch der heute noch attraktive Orgelprospekt mit Metallpfeifen aus bronziertem Zink.

 

Der Orgelprospekt unserer „Körfer-Orgel“ mit Metallpfeifen aus bronziertem Zink

 

Der Erbauer unserer Orgel, Michael Körfer, lebte von 1868 bis 1950 und war zu seiner Zeit der wichtigste Orgelbauer in der Diözese Mainz - er war sozusagen der „Diözesanorgelbauer“ und baute zu seinen Lebzeiten mehr als die Hälfte aller Orgeln im Bistum Mainz.

Nach kleineren Veränderungen in den 60er Jahren an der Disposition, d.h. an der Klangfarbe der Register, durch einen namentlich nicht mehr bekannten Orgelbauer wurde unsere „Körfer-Orgel“ im November 1972  mit erheblichem finanziellem Aufwand umfassend umgebaut und renoviert durch Orgelbauer Eduard Wagenbach aus Limburg. Im Rahmen dieses Umbaus wurde die Orgel auf elektro-pneumatische Spielmechanik umgestellt. So wurde auch der Blasebalg, der zum Orgelspiel früher getreten werden musste, durch ein elektrisch betriebenes Gebläse ersetzt. Noch heute kann man die Haltestange an der Außenverkleidung der Orgel sehen, an der sich die Blasebalgtreter, die so genannten „Kalkanten“, festgehalten haben.

Zusätzlich wurden auf Anregung des Mainzer Domkapellmeisters und Orgelsachverständigen Heinrich Hain zwei weitere Register eingebaut, eine „Mixtur  4fach“ im Hauptwerk und das Zungenregister „Oboe 8´ “ im Oberwerk. Auch der aktuelle Spieltisch mit Registerwippen sowie Tasten und Zügen für „Freie Kombinationen“ stammt aus dem Jahre 1972.

Heute verfügt die Orgel über 15 klingende Register mit 900 Orgelpfeifen in zwei Manualen und Pedal.

 

I. Manual  =   Hauptwerk: C–f’’’                  II. Manual = Oberwerk: C–f’’’  

Prinzipal         8’                                              Liebl. Gedackt 8’

                        Gedackt          8’                                            Salizional           8’

                        Oktave            4’                                            Rohrflöte           4’

                        Flöte               4’                                             Prinzipal            2’

                        Siffflöte          2’                                              Quinte               1 1/3’

                        Mixtur 4fach  1 1/3’                                        Oboe                8’

Pedal: C-f’      Subbass           16’

                        Flöte                  4’

                        Oboe                 8’

 

Die Namen der Register bezeichnen deren Klangfarbe bzw. Klangzusammensetzung, die Zahlenangabe mit dem Zeichen    ( = „Fuß“) gibt die Größe der jeweiligen Orgelpfeifen in Bezug auf den Grundton „C“ an und gibt damit Auskunft über dessen Höhe bzw. Tiefe. Je mehr Fuß bei einem Register angegeben sind, desto größer sind seine Orgelpfeifen und desto tiefer ist sein Klang - und umgekehrt.

Durch den Einbau von Kopplungsmöglichkeiten zwischen Manualen und Pedal  können alle Register und Manuale sowohl einzeln wie auch untereinander verbunden gespielt werden. Auf diese Weise werden vielfältige Klangkombinationen ermöglicht und so kann man zu Recht die Orgel als die „Königin der Instrumente“ bezeichnen .

 

 Der Spieltisch der Orgel mit den beiden Manualen sowie Tasten und Zügen für die Register

 

In seinem Protokoll zur Orgelabnahme nach diesem Umbau beglückwünscht der  Orgelsachverständige die „opferwillige Gemeinde … zu diesem wiedererstandenen Schmuckstück in der Pfarrkirche, … das den liturgischen und musikalischen Ansprüchen des Gottesdienstes voll und ganz“ entspricht und auch „ … die Orgelliteratur aus den verschiedensten Epochen … zum Klingen bringen“ kann.

Eine größere Reparatur stand wieder im Sommer 1986 an. Weil es bei den Gottesdiensten immer häufiger zu  störenden Tonausfällen kam, mussten zur Erhaltung und Funktionssicherung der Orgel neue Membranen angebracht werden, da das Leder der alten „Bälgchen“ verbraucht  und undicht geworden war. Diese Arbeiten wurden durch Orgelbauer Peter Wagenbach ausgeführt, Nachfolger von Eduard Wagenbach aus Limburg.

Im Zuge der Renovierungsarbeiten für die 150-Jahrfeier unserer Pfarrkirche im Herbst 1999 wurde auch die Vorderansicht der Orgel – der so genannte „Orgelprospekt“ - nach den alten Vorlagen originalgetreu wiederhergestellt. So konnte unsere Orgel nach einer weiteren größeren Maßnahme zur klanglichen und funktionalen Erhaltung durch den Orgelbaubetrieb Otmar Börner aus Rodenbach im Jahr 2000 sowohl akustisch wie auch optisch wieder in vollem Glanz „erstrahlen“.

Wie aber waren eigentlich die kirchenmusikalischen Gegebenheiten vor Anschaffung der Körfer-Orgel?

Rückfragen im Kirchenmusikalischen Institut Mainz - Abteilung Orgeln und Glocken - ergaben, dass der Kirchenvorstand unserer Pfarrei  im Jahre 1850, also ein Jahr nach Einweihung der Kirche, für 700 Gulden eine gebrauchte Orgel aus einer katholischen Kirche in Offenbach gekauft hat. Vermittelt hat diesen Kauf der renommierte Mainzer Orgelbauer Bernhard Dreymann (1788-1857), ein berühmter Vorgänger von Michael Körfer im Bistum Mainz.

In der Zwischenzeit  sind viele Jahre vergangen. Unsere Orgel wird durch einen Orgelbauer regelmäßig inspiziert und gewartet.

In Zukunft stehen wieder umfangreichere Wartungsarbeiten an - an einzelnen Registern, an Registerventilen und Windlade sowie an der Orgelstimmung insgesamt.

Wollen wir hoffen, dass uns unsere Orgel trotz immer wieder aufwändiger Erhaltungsmaßnahmen auch weiterhin an wichtigen Stationen unseres Lebens begleiten kann und uns dabei behilflich  sein kann, den Blick zum Himmel zu wenden:

                         Ad Majorem Dei Gloriam!”

                   

           

                                                                                                                                  Josef   Schiener